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Jedes Kind hat ein eigenes Entwicklungstempo. Welches ist normal?

Welches Entwicklungstempo ist bei Kindern normal?

Stellen Sie sich vor: Sie besuchen eine Entbindungsstation. Dort sind gerade zehn Neugeborene zu bestaunen, die am Vortag entbunden wurden.
Die Größe der Kinder, die rund um den errechneten Geburtstermin zur Welt gekommen sind, variiert von 42 cm bis 54 cm, das Gewicht von 2700 bis 4000g. Es gibt sechs Mädchen und vier Jungen. Die Haarfarben sind verschieden und die Menge der Haare ist es auch. Manche liegen ganz ruhig, andere sind deutlich munterer.

Unterschiedliche Startbedingungen

Die Entwicklung von Kindern ist so unterschiedlich, wie Kinder eben sind. Das betrifft die soziale, emotionale, körperliche und auch geistige Entwicklung.
Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist es bereits mit einer Vielzahl von Fähigkeiten ausgestattet. Trotzdem steht ihm der größte Teil seiner Entwicklung noch bevor.
Kinder entwickeln sich aus eigenem Antrieb. Sie wollen wachsen und sich entwickeln. Sie tun dies im Wechselspiel zwischen ihren Anlagen und Anregungen und Erfahrungen aus der Umwelt. Dazu müssen der Körper und seine Organe biologisch reifen, wozu altersgemäße Anregungen und erlebte Erfahrungen nötig sind.

Jedes Kind besitzt eine Vielzahl an Fähigkeiten

Der Weg vom Säugling bis zu erwachsenen und selbständigen Menschen ist lang und besteht aus vielen kleinen Entwicklungsschritten in unterschiedlichen Bereichen.
Es gibt so etwas wie einen natürlichen Plan der Entwicklung. In diesem Plan ist die Reihenfolge der einzelnen Entwicklungsschritte genau festgelegt, da sie meist aufeinander aufbauen. Es ist also beispielsweise nicht möglich, dass ein Kind zuerst Laufen und später erst Sitzen lernt.

Geschwindigkeit der kindlichen Entwicklung ist individuell

Die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Entwicklungsschritte aufeinanderfolgen können, kann sehr unterschiedlich in den einzelnen Entwicklungsbereichen sein.
Manche Kinder lernen Bewegungsabläufe sehr schnell, laufen früh, klettern überall hoch und sind sehr geschickt im Umgang mit ihren Händen. Andere sind nicht ganz so „sportlich“ und eher ungeschickt und verwenden ihre Energie lieber darauf, ihre sprachlichen Fertigkeiten zu erweitern.

Es ist eher der Normalfall, dass Kinder unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten beispielsweise im motorischen und sprachlichen Bereich haben. (Kinder laufen früh und sprechen spät oder umgekehrt).

Prof. Dr. Jörn Borke, Entwicklungspsychologie der Kindheit, Hochschule Stendal

So hat jedes Kind in jedem Entwicklungsbereich sein eigenes Tempo und innerhalb gewisser Grenzen sind Unterschiede im Entwicklungsstand zwischen Kindern gleichen Alters völlig normal.

Was ist „normal?

Aus verschiedensten Untersuchungen kennt man statistische Grenzwerte, wann Kinder einzelne Entwicklungsschritte spätestens erreicht haben sollten. Deshalb ist die „typische Entwicklung“ lediglich ein statistischer Wert.

Dieser statistische Wert wird durch die Untersuchung einer bestimmten Anzahl von Kindern ermittelt. Aus den Ergebnissen wurde ein Mittelwert errechnet.
„Normal“- bedeutet also: Ein Kind macht einen bestimmten Entwicklungsschritt zur gleichen Zeit wie die überwältigende Mehrheit der Kinder nämlich 90%.
Aus den 90% wurden die Meilensteine der Entwicklung abgeleitet. Z.B.:

  • durchschnittliche Kinder heben mit drei Monaten aus der Bauchlage den Kopf von der Unterlage
  • mit neun Monaten können sie ohne Unterstützung sitzen
  • mit achtzehn Monaten selbständig laufen

Beispiel: Wenn also ein Kind mit neunzehn Monaten noch nicht läuft, sollte man schauen, ob eine Entwicklungsverzögerung vorliegt. Es sollte dem Kinderarzt vorgestellt werden.
Das Kind wäre eine Ausnahme.

Jeder Entwicklungsschritt findet typischerweise in einem bestimmten Lebensalter statt.
Meilensteine werden oft wie Schulnoten gesehen, dabei ist ein Kind, welches früher krabbelt nicht klüger oder intelligenter als ein später krabbelndes.
Meilensteine sind lediglich Beobachtungsinstrumente, um unter den Nachzüglern die Kranken zu finden.

Auslassen von Entwicklungsschritten muss kein Alarmzeichen sein

Auslassen von Entwicklungsschritten muss kein Alarmzeichen sein.
Po- Rutschen statt Krabbeln, das ist nur einfach ein anderer Weg
Krabbeln, Rutschen, Robben, Schlängeln, auf dem Rücken schieben erfordern die gleich kognitive Leistung. Das Kind interessiert sich für Umstände in der Umgebung und will dorthin, um sie zu berühren.
Sie lernen deswegen nicht später laufen als andere Kinder.

Unterstützung bei der Entwicklung

Eltern können die Entwicklung ihres Kindes nicht beschleunigen. Jedoch durch Anregungen und vielseitige Erfahrungsmöglichkeiten können sie die Kinder darin unterstützen, in seinen neu erworbenen Fähigkeiten geschickter und sicherer zu werden.
Kindliche Neugier lässt sich nicht beliebig wecken. Was ein Kind interessiert und worauf es neugierig ist, hängt immer von seinem Entwicklungsalter und seinen jeweiligen Fähigkeiten ab, die gerade heranreifen.
Sie sehen beste Anzeichen für ein aktuelles Interesse, wenn ihr Kind sich konzentriert und vergnügt mit etwas befasst.



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